1. Änderung des Regionalplans

Stellungnahme zur Ausweisung weiterer Wohnbauflächen auf Krefelder Ortsgebiet

Foto: Stadtwaldwohnungsbau UG

An das Landesbüro der Naturschutzverbände in Oberhausen
Krefeld, 16.08.2019

 

Stellungnahme des NABU-Krefeld zur 1. Änderung des Regionalplans Düsseldorf für das Stadtgebiet Krefeld 

Zeichen des Landesbüros:        SV 60-10.18 GEP

Der NABU-Krefeld hat mit Befremden die Vorschläge der Bezirksregierung Düsseldorf zur Ausweisung von ca. 71 ha Wohnungsbauland, verteilt auf 6 Flächen mit überwiegend hohem ökologischem Wert, zur Kenntnis genommen.

Der 2015 in Kraft getretene Krefelder Flächennutzungsplan weist bereits Wohnungsbauland auf einer unserer Ansicht nach übertrieben großen Gesamtfläche aus.

Seit etwa Mitte 2017 wurden vom Krefelder Amt für Stadt- und Verkehrsplanung 10 Bebauungspläne für Wohngebiete entwickelt, die insgesamt eine Fläche von ca. 42 ha umfassen. Darin enthalten ist ein ehemaliges 16 ha großes Kasernengelände an der Kempener Allee und ein erster 7,8 ha großer Teilabschnitt eines Neubaugebietes in Krefeld-Fischeln, genannt Fischeln Südwest. Dazu gibt es eine Erweiterungsoption von 2 x 8 ha, die noch nicht in den genannten 42 ha enthalten sind. Außerdem gibt es Pläne für weitere Wohnungsbaugebiete, z.B. auf dem ca. 12 ha großem Wiesenhofgelände im Krefelder Stadtteil Traar.

Darüber hinaus finden an vielen Stellen in der Stadt und in den Stadtteilen bauliche Verdichtungen durch Lückenschließungen und Innenhofbebauungen statt.

Bei einem Rundgang durch die Krefelder Innenstadt und durch angrenzende Stadtteile fällt der hohe Wohnungsleerstand ins Auge. Der Verein „Haus und Grund Krefeld“ teilte am 24. Februar 2018 in der Westdeutschen Zeitung unter der Überschrift „Krefeld baut falsche Wohnungen“mit, dass etwa 4.500 Wohneinheiten in Krefeld derzeit nicht genutzt werden. Weiter teilte der Verein in dem Artikel mit: „Krefeld hat sinkende Einwohnerzahlen und leerstehende Wohnungen“. Nach Aussage des Vereins werden mittelfristig vorrangig preisgünstige Wohnungen für Flüchtlinge und ausländische Familien benötigt.

Nach aktuellen Berechnungen wird sich der Rückgang der Einwohnerzahlen in den nächsten Jahren noch erhöhen. Angesichts dessen finden wir die geplante zusätzliche Ausweisung von ca. 71 ha Bauland in Krefeld absurd.

Alle von Ihnen vorgeschlagenen 6 Wohnbauflächen sind mit ihren Freiflächen, ihren Kleingewässern und Gärten wichtig für Mensch, Tier und Natur.

Die Fläche KR_01 an der Ottostraße beherbergt den bekannten und beliebten Mitmachbauernhof „Mallewupp“, das Kleingewässer „Holthausens Kull“ sowie die Kleingartensiedlung Uhlenhorst und liegt teilweise im Landschaftsschutzgebiet. Ihre Planung entzieht dem Mitmachbauernhof den dringend benötigten Freiraum, den der Bauernhof zu seiner Existenz braucht. Angesichts des dramatischen Insektenschwunds ist gerade das strukturreiche Kleingartengelände ein wichtiges Reservoir der Artenvielfalt.

Auch die anderen in die Wohnbauplanung aufgenommenen Krefelder Flächen 

     KR_02 Kliedbruch, 
     KR_03 Elfrath, 
     KR_07 Hülser Bruch, 
     KR_11 Kliedbruchstraße und 
     KR_12 Oppum-Süd,

liegen überwiegend in Landschaftsschutzgebieten, enthalten schutzwürdige Biotope, sind unverzichtbar für unsere restliche Stadtnatur und beherbergen die letzten an den Rand gedrängten Tierarten der freien Feldflur.

Wenn Sie schon von dem hohen Wohnungsbedarf ausgehen, vermissen wir Planungen für flächensparenden Wohnungsbau. Forscher von der TU Darmstadt haben gemeinsam mit dem Pestel-Institut aus Hannover im März 2019 eine „Deutschland-Studie 2019“ vorgelegt, die besagt, dass 2,3 bis 2,7 Millionen Wohnungen in Deutschland neu entstehen könnten, wenn die vorhandenen innerstädtischen Bau-Potenziale intelligent genutzt würden. Zusätzliches Bauland sei dafür nicht nötig.Wohnungen können geschaffen werden durch Aufstockung auf Flachgebäuden, auf Lebensmittelmärkten und Umnutzung von Parkplätzen.

Die Studie sieht in Aufstockungen von Wohnhäusern enorme Vorteile: „Sie sind eine optimale Flächennutzung für Ballungsräume und damit ökologisch sinnvoll. Denn es wird kein zusätzliches Bauland gebraucht. Damit werden auch keine neuen Grünflächen versiegelt. Auch der Aufbau neuer Infrastruktur entfällt – weder neue Straßen noch Kanal- oder Versorgungsleitungen werden benötigt. Damit sind die Grundstücks- und Erschließungskosten schon zwei wichtige Punkte, bei denen gespart wird. Fest steht: Die besten und günstigsten Grundstücke in Ballungszentren liegen auf den Dachflächen der Gebäude, die schon da sind.“

Siehe auch:

https://www.bi-medien.de/artikel-31861-bm-studie-wohnreserven-auf-gewerbebauten.bi

https://www.architektur.tu-darmstadt.de/fachbereich_architektur/aktuelles_fachbereich/news_archiv/news_2016/news_2016_details_65920.de.jsp

Angesichts der sich verschärfenden Umwelt- und Klimakrise, auch verursacht durch den enormen Flächenverbrauch in den letzten Jahrzehnten für Wohnen, Gewerbe und Straßen, lehnen wir den mit Ihren Wohnbauplanungen verbundenen zusätzlichen Flächenverbrauch strikt ab. 

Wir fordern Sie auf, sich mit unseren Vorstellungen und Argumenten auseinanderzusetzten und bitten um Rücknahme Ihrer Flächenvorschläge.

NABU Naturschutzbund Deutschland   
Bezirksverband Krefeld/Viersen e.V.  
Talring 45                   
D-47802 Krefeld     
Telefon (02151) 618700       
Telefax (02151) 618751
infonabu-krefeld-viersen.de    
www.nabu-krefeld-viersen.de
Amtsgericht Krefeld VR 1783
Anerkannter Naturschutzverband nach § 60 Bundesnaturschutzgesetz

 

Für die Redaktionen:
Weitere Information erhalten Sie bei:

Hans-Georg Emmerich (Autor der Stellungnahme)
hans-georg.emmerichnabu-krefeld-viersen.de

Michael Müller oder Klaus Kosmol (Leiter der NABU-Ortsgruppe Krefeld)
michael.muellernabu-krefeld-viersen.de
0160 5976008

klaus.kosmolnabu-krefeld-viersen.de
0151 65425021